PFAS bedreigen mensenrechten wereldwijd – PFAS stellen nach Einschätzung der neuen UN-Sonderberichterstatterin für toxische Stoffe und Menschenrechte eine systemische Bedrohung für möglicherweise nahezu alle Menschenrechte dar. Sie fordert daher ein sofortiges internationales Verbot aller nicht unbedingt notwendigen Anwendungen dieser Stoffe.
„PFAS beeinträchtigen unter anderem das Recht auf Leben, Gesundheit und eine gesunde Umwelt“, sagte Bethanie Carney Almroth am 14. September während einer Sitzung des UN-Menschenrechtsrats. Ihrer Einschätzung nach können auch das Recht auf einen sicheren und gesunden Arbeitsplatz sowie der Zugang zu Informationen, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung gefährdet sein. Carney Almroth ist Ökotoxikologin an der Universität Göteborg in Schweden. Ihre Forschung konzentriert sich vor allem auf die Umweltauswirkungen von Kunststoffen und kunststoffbezogenen Chemikalien.
Folgen für Hormone, Leber und Immunsystem
Die PFAS-Familie umfasst schätzungsweise Tausende synthetischer Stoffe. Einige von ihnen werden mit Störungen des Hormonsystems, der Leber und des Immunsystems in Verbindung gebracht. Außerdem bestehen Zusammenhänge mit weiteren schweren gesundheitlichen Problemen, darunter Krebserkrankungen.
Schadstoffe verbreiten sich weltweit
PFAS werden vor allem in Industrieländern hergestellt. Über Emissionen und den grenzüberschreitenden Transport PFAS-haltiger Abfälle gelangen sie jedoch in die ganze Welt. Dadurch sind auch Länder und Gemeinschaften, die selbst kaum PFAS produzieren, mit den Folgen belastet.
Jahrhunderte in der Umwelt
Die starke Bindung zwischen Kohlenstoff und Fluor macht PFAS außerordentlich langlebig. Einmal in die Umwelt gelangt, können die Stoffe dort Jahrhunderte verbleiben. Nach Angaben von Carney Almroth gibt es derzeit keine wirksamen und zugleich großflächig einsetzbaren Verfahren, mit denen PFAS aus belasteten Ökosystemen entfernt werden können.
UN fordert sofortige Ausstiegsstrategie
Während der Sitzung stellte Carney Almroth einen aktuellen UN-Bericht vor. Darin wird ein sofortiges Verbot aller nicht unbedingt notwendigen PFAS-Anwendungen gefordert.
Darüber hinaus plädiert der Bericht für umfassende und aufeinander abgestimmte nationale Gesetze, Vorschriften und politische Maßnahmen. Nur mit einem breit angelegten, koordinierten Vorgehen lassen sich PFAS als gesamte Stoffgruppe wirksam kontrollieren und schrittweise aus dem Verkehr ziehen.
Technologischer Fortschritt mit hohem Preis
Dem Bericht zufolge stehen PFAS beispielhaft für die Chancen und Risiken technologischer Innovation. Chemiker entwickelten synthetische Stoffe, die die Wirtschaft und die Herstellung zahlreicher Produkte grundlegend verändert haben.
Gleichzeitig sind die Folgen weltweit spürbar. Stoffe, die einst den technologischen Fortschritt vorantreiben sollten, haben zu langfristiger Umweltverschmutzung und neuen Risiken für die öffentliche Gesundheit geführt.
Große Hersteller bauen PFAS-Produktion aus
Während die UN zu einem schnellen Ausstieg aufruft, planen viele der weltweit größten PFAS-Hersteller offenbar eine Ausweitung ihrer Produktion. Nach Angaben der Umweltorganisation ChemSec wird die zusätzliche Nachfrage unter anderem durch die Bereiche künstliche Intelligenz, Rechenzentren, Halbleiter und Lithium-Ionen-Batterien angetrieben.
Untersuchung der Marktführer
ChemSec stützt diese Einschätzung auf eine Untersuchung der weltweit größten PFAS-Produzenten. Zu den analysierten Unternehmen gehören unter anderem Chemours, Arkema und Daikin Chemicals.
Warnung vor einer neuen Welle
„Wenn Regierungen und Aufsichtsbehörden keinen schnellen Ausstieg durchsetzen, steht uns eine neue Flutwelle sogenannter ‚ewiger Chemikalien‘ bevor“, warnte Anne-Sofie Bäckar,
Geschäftsführerin von ChemSec
Nach Ansicht der Organisation zeigen die Expansionspläne, dass freiwillige Maßnahmen nicht ausreichen werden, um das Wachstum der PFAS-Produktion zu stoppen.
Chemours und DuPont in der Kritik
Im Februar 2024 beschuldigten neun UN-Menschenrechtsexperten DuPont und Chemours, gefährliche PFAS in das Einzugsgebiet des Cape Fear River im US-Bundesstaat North Carolina eingeleitet zu haben.
Die Erklärung folgte auf einen formellen Antrag einer örtlichen Bürgerinitiative. Sie hatte die UN aufgefordert, mehrere mutmaßliche Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit PFAS-Einleitungen aus einer nahe gelegenen Chemours-Anlage zu untersuchen.
Ausnahmen vom weltweiten Trend
ChemSec nennt zwei deutliche Ausnahmen von der weltweiten Expansion. Das Schweizer Unternehmen Archroma vermarktet aktiv PFAS-freie Alternativen. Der deutsche Chemiekonzern BASF hat außerdem angekündigt, die PFAS-Produktion bis spätestens 2028 einzustellen.
Internationale Maßnahmen sind unverzichtbar
Die Botschaft der UN-Berichterstatterin ist eindeutig: PFAS sind nicht nur ein Umweltproblem, sondern auch eine Menschenrechtsfrage. Ohne strengere internationale Regeln droht eine weitere Verbreitung dieser kaum abbaubaren Stoffe – mit Folgen, die noch über Generationen hinweg spürbar sein könnten.
Quelle: ChemistryWorld
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